Jugendladen Nippes &
Nippes Museum Köln
Jugendhilfe und Schule e.V.
-. Kempener Str. 95 - 50733 Köln
Ausstellung und Projekt
Alt und Jung in Köln-Nippes
Übersicht
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Dokumente aus der Praxis
Lebenslagen 1: Wohnen
Eine Projektbesprechung
Wohnungsbild J.B.
Alt und Jung in Eritrea
Kochbuch Alt/Jung Nippes
Der institutionelle Rahmen: Runder Tisch zur Altenhilfe
in Köln-Nippes
Lebenslagen 2: Historische
Interviews
Palermo 1941
Die Siebachstraße vor 20 Jahren
Projektbesprechung Ausstellung
Lesung zur Ausstellung
Bilder aus der Ausstellung
Fachbeitrag
zur Auswertung
Begegnung von Alt und Jung als interkulturelles Projekt (aus: Sozialpädagogik
4/1997)
Informationen zum Träger
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I. Berichte
und Besprechungen aus der Praxis
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Lebenslagen 1
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Wohnsituationen
Auszug aus einer Besprechung "Alt/Jung" im Jugendladen Nippes
/ Nippes Museum
Alle Anwesenden schildern reihum ihre Beobachtungen
zur Wohnsituation der alten Leute. Hierbei werden folgende allgemeine Beobachtungen
geschildert:
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Manche haben eine sehr große, manche eine sehr kleine Wohnung
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manche haben sehr viel Rente, z.B. 8000,- DM, manche sehr wenig, z.B. 800,-
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wenn man die Wohnsituation schildert, fällt einem auch viel über
die sonstige Lebenssituation auf
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unter den Betreuern, die sonst die alten Leute versorgen, gibt es viele
Vorurteile: z.B. "die sind geizig", "die sind steinreich" usw.
Ausgehend von diesen allgemeinen Beobachtungen wurden die folgenden Fragen
besprochen:
1. Wie geht man am besten mit Vorurteilen um, die man über
die alten Leute hört?
Man sollte immer, wenn man solche Vorurteile hört, diese erst
einmal nicht glauben und genau hinsehen. Z.B. ist die Frage, ob jemand
reich oder arm ist, sehr relativ. Wenn jemand eine hohe Rente hat und ins
Heim kommt, ist er wegen der hohen Pflegekosten sofort arm. Auch brauchen
die alten Leute das Gefühl der Sicherheit. Häufig ist ihr "Reichtum"
die einzige Sicherheit dafür, daß sie noch von den Kindern besucht
werden. Andere sind sehr vorsorgend und wollen nicht einmal nach dem Tod
jemand zur Last fallen. N. wendet ein, daß man nach dem Tod eigentlich
nicht so viel für eine Beerdigung ausgeben sollte. J. erklärt,
daß Beerdigungen ganz schön teuer sind. Andere schildern, daß
gerade die "reicheren" Leute besonders geizig zu sein scheinen. Es stellt
sich heraus, daß häufig kleine Anerkennungen, meistens Süßigkeiten
gegeben werden. Nur die ärmste Frau gibt offensichtlich manchmal eine
Mark. W. erklärt, daß die Vorstellung von Reich und Arm nicht
mehr am Geld festzumachen ist, wenn Krankheiten oder Pflegebedürftigkeit
vorkommen. Ein Urteil, ob jemand wirklich geizig ist, kann man erst dann
fällen, wenn man die Lebensgeschichte und alle sonstigen Lebensumstände
wirklich kennt und richtig beurteilen kann. Deshalb sollte man sich mit
solchen Urteilen zurückhalten. W. schildert den Fall der Witwe eines
berühmten Malers, deren Hab und Gut bei ihrer Heimeinweisung einfach
vom Sozialarbeiter der Stadt Berlin versteigert wurde. Erst später
wurde der Wert der Sachen erkannt und diese ins Museum gebracht. Das Beispiel
zeigt, daß Ruhm, Einfluß und Geld nichts mehr Wert sind, wenn
die alten Leute allein sind.
2. Wie geht man mit den eigenen Vorurteilen oder den eigenen Problemen
um?
Bei der Frage nach arm oder reich wurden Vergleiche mit der eigenen
Wohnsituation angestellt, z.B.: "Wir leben mit so einem Haufen Leuten in
einer kleinen Wohnung, und die Frau lebt allein in 5 Zimmern". Hierzu gilt
nach Meinung von W. dasselbe wie zu den Vorurteilen anderer Betreuer über
die alten Leute: Man sollte nicht die eigenen Interessen ins Spiel bringen
oder gar die alten Leute beneiden. Z.B. kann die große Wohnung für
die betreffende Frau einen viel größeren Stellenwert haben als
für jüngere Leute. Sie ist vielleicht mit vielen Erinnerungen
verknüpft. Oder die Frau ist sehr stolz auf ihre Wohnung und hat nicht
wie Jüngere die Möglichkeit, sich durch Arbeit das Gefühl
zu geben, gebraucht zu werden. (Persönliche Anmerkung: Nicht besprochen
wurde ein anderer Punkt, der aber hier auch zu erwähnen ist: Man sollte
nicht den "Patienten" die eigenen Wünsche und Nöte vor die Nase
halten oder sie sogar anbetteln. Wenn man schon von den eigenen Problemen
erzählt, darf das nicht dazu führen, daß sich die Leute
unter Druck gesetzt fühlen, den freundlichen Helfern ihrerseits helfen
zu müssen. Manchmal sagt man so etwas vielleicht ohne böse Absicht,
z.B. daß man so gerne einen neuen Pullover hätte und die Eltern
kein Geld geben. Die alten Leute werden das aber sofort anders verstehen.)
Vor diesem Hintergrund wurden folgende Beschreibungen von einzelnen
Wohnungen gegeben:
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Wohnung N. Str. - Die Frau ist arm, hat nur eine kleine Rente. Die Wohnung
ist alt und klein. Man sieht aus dem Fenster nur auf Mauern. Die Möbel
sind sehr alt. Das Klo ist auf dem Gang. Die Elektroleitungen sind kaputt
und liegen zum Teil offen. Trotzdem ist die Frau zufrieden mit dem Haus.
Sie nutzt ein Sitzklo statt der Toilette im Hausflur. Sie hat kein Badezimmer.
Von der Wohnung gibt es ein erstes Bild: Die Frau sitzt in der Mitte der
Küche am Tisch. Das Obst im Regal ist verfault. Die Tassen stehen
ungespült rum. Die Frau sieht fern. Das Fernsehgerät ist alt
und nicht gut. Ein neues zu besorgen ist scheinbar nicht sinnvoll, da sie
nicht gut sieht. Sie hört v.a. mit einem großen Kopfhörer
aus Holz zu (vgl. Bild). Frage: Wie könnte die Wohnung verschönert
werden? Die Tapeten sind dunkel und eintönig. Die Reparatur der Elektroleitungen
ist schon geplant. Unklar ist, ob die Frau ins Heim gehen will. Vielleicht
könnte sie einen neuen Kopfhörer gebrauchen. Sie trinkt gerne
Kaffee.
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B. Str. - Die Wohnung hat 5 Zimmer. Neubau. Die Frau ist körperbehindert.
Sie beklagt sich, daß die Wohnung zu groß ist. Ein Bad ist
vorhanden. Warmwasser und Balkon auch.
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Bü. Str. - Eine sehr große Wohnung. Die Frau ist sehr stolz
auf die Wohnung. Sie lebt schon viele Jahre in derselben Wohnung. Sie erzählt
immer von ihrer Tochter.
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G. Str. - Die Wohnung hat kein warmes Wasser. Die Frau stellt die Spülsachen
immer in den Schrank. Die Wohnung ist ganz alt. Die Frau ist sehr stolz
darauf, wenn sie noch etwas selbst machen kann. Darauf achtet sie sorgfältig:
"Nein, das mache ich selbst. Sonst hab ich nichts vom Leben". Sie ist 84
Jahre alt und lebt schon seit 65 Jahren in derselben Wohnung. Im Bad steht
eine Wanne mit einem Badeofen, den man anfeuern muß. Die Frau ist
zwar gut angezogen, läuft aber immer mit Schürzen herum.
Alt und Jung in Eritrea
- Eritreaausstellung im Nippes Museum
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L. Str. - Beide Ehepartner sind behindert und gehen jetzt ins Heim. Sehr
hohe Rente. "Könnten sie sich nicht Privatangestellte leisten?" Der
Mann ist 20 Jahre älter. Die Frau geht überheblich mit ihm um.
Sie verspottet ihn. Gegenüber den Betreuern geht die Frau etwas hochnäsig
um. Sie gibt immer schnell neue Aufgaben. Frage: Wie ist zu erklären,
daß die Frau überheblich mit dem Mann umgeht? Ist nicht zu klären,
also vorerst auch nicht zu bewerten.
Kochbuch Alt/Jung
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M. Str. - Im ganzen Haus wohnen nur alte Leute (Wohnheim Kirche). Die Wohnung
ist sehr schön mit Balkon, Einbauküche, Badezimmer und Toilette.
Die Frau hat einen Vertrag mit der Kirche. Darin ist festgehalten, daß
irgendwas der Kirche gehört, wenn sie stirbt, für gute Zwecke.
Außerdem ist ihr versprochen worden, daß alles so stehen und
liegenbleibt, wie sie es hinterlassen hat (wie lange)? Vor allem hat die
Frau in den Vertrag aufgenommen oder wünscht sich, daß ihre
Katze nach ihrem Tod nicht auch getötet wird. Die mag sie sehr. Sie
sitzt immer auf ihrem Schoß (vgl. Bild). Die Katze ist tigerartig.
Sie kann sehr viel. Ist richtig dressiert. Z.B. kann die Katze im gekräuselten
Teppich Slalom laufen. Der Teppich ist dann aufgestellt, so daß er
mehrere Röhren bildet und die Katze schlängelt sich links/rechts
durch. Im Mittelpunkt der Wohnung steht für die Frau das Telefon.
Mit dem telefoniert sie immer mit ihrer Tochter, die Friseuse ist. Frage:
Interessiert sich die Frau für die Teilnahme an einer Telefonkette?
Bitte besprechen. Hat sie Interesse daran, daß ihre Fotos einmal
schön in einem Fotoalbum eingeklebt werden? Bitte auch das besprechen.
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K. Str. - Eine Zweizimmerwohnung, Altbau, gemeinnützige Wohnungsgesellschaft
(Bild folgt?).
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Z. Str. - Eine sehr gute Wohnung. Es geht das Gerücht u,m, daß
die Frau von ihrem Sohn falsche Medikamente bekommt. Vielleicht soviel
wahr, daß es einen Konflikt gibt. Spekulationen aber nicht angebracht.
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Kn. Str. - Die Frau kann sich wenig bewegen. Die Wohnung ist sehr ordentlich,
schlicht, einfach eingerichtet. Es gibt viele Bücher und Musikkassetten.
Die Frau hört gern Orgel- und Meditationsmusik. Sie war einmal Gewerkschaftsfunktionärin
bei der DAG und als Beruf übte sie einen Büroberuf aus.
Fortsetzung beim nächsten Treffen.
Verabredet wurde:
Alle, die das noch nicht gemacht haben, malen ein großes Bild
einer Wohnung; kann auch surrealistisch sein; soll für eine Ausstellung
im Jugendladen brauchbar sein. Papier ist im Jugendladen zu bekommen. Bei
den nächsten Hausbesuchen wird nach dem Interesse an einer Telefonkette
gefragt. Sonstige Vorschläge zur Verbesserung der Wohnsituation werden
überlegt.
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Übersicht "Alt/Jung"
Der Institutionelle Rahmen
Alt und Jung am "Runden Tisch" - Ein Protokoll
Empfehlungen des Runden Tisches zur Altenarbeit Köln - Nippes
1.Empfohlen werden neue, ehrenamtliche Besuchsdienste für alleinstehende
alte Menschen. Gedacht ist hier an Pfarrgemeinden u.a. Gruppen. Träger
der freien Wohlfahrtspflege sollen Personal zur Koordination zur Verfügung
stellen. Die Stadt Köln soll die Sach- und Personalkosten bezuschussen.
Hierbei ist eine Vernetzung von in der Seniorenarbeit Tätigen anzustreben,
z. B. am Runden Tisch.
2. Pflegende Angehörige sollten entlastet werden. Dazu sollen Kurzzeitpflegesätze
geschaffen bzw. erhöht werden. Die Service-Zentren sollen Kurzzeitpflege
anbieten. Die Stadt Köln soll die vom Kurzzeitpflegesatz (2800,- DM
für 4 Wochen) nicht gedeckten Kosten übernehmen.
3. Aufgrund der unzureichenden Sätze für Mobile Soziale Dienste
in der Pflegeversicherung werden flankierende Finanzierungen von Stadt,
Land und Bund für diese Dienste benötigt. Zur Verbesserung der
Beratung sollen drei bis vier Servicezentren im Stadtbezirk errichtet werden.
Zusätzlich zu den Mobilen Sozialen Diensten sollen besonders zeitintensive
Einsätze (z.B. vier Stunden täglich) eingeführt und aus
der Sozialhilfe finanziert werden.
Lebenslagen 2
Historische Interviews mit SeniorInnen
(Auszug aus der Dokumentation)
1. Mädchenerziehung 1941 in Palermo
Das Bild zeigt Frau D. im Alter von 16 Jahren. Da sie derzeit 69 Jahre
alt ist, bedeutet dies, daß das Bild voraussichtlich im Jahr 1941
gemacht wurde. Frau D. erzählt über das Bild folgendes: Das Bild
wurde gemacht kurz bevor ihr Vater in den Krieg ging. Zu dieser Zeit war
sie noch nicht verlobt. Sie wurde erst mit 20 verlobt. Das Kleid, das Frau
D. auf dem Foto trägt, heißt Modell Parici. Sie hatte es von
ihrer Schwester ausgeliehen. Die Schwester hatte das Kleid selbst genäht.
Frau D. kann sich daran erinnern, daß zu dieser Zeit noch Mussolini
an der Macht war. Nochmal auf die Mädchenschule angesprochen sagt
sie: "Das war eine tolle Schule. Ohne Jungen war es viel schöner."
Scheinbar gab es im selben Gebäude auch eine Jungenschule. Unklar
ist, ob Mächen und Jungen sich auf dem Hof sehen konnten. |
2. Als Arbeiterin in der Küche
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3. Geburtstagsfeier in der Siebachstraße
(ca. 1974)
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Frau D. erzählt zunächst, daß es in Nippes früher
anders aussah als heute. Sie erinnert sich noch an die Straßenbahn,
die woanders fuhr als heute, z.B. auf der Kempener Str. Das Mädchen,
das man auf dem Bild im Vordergrund sieht, ist heute 25 Jahre alt. Die
Familie, die man sieht, ist heute in Italien. Eine Tochter aus dieser Familie
lebt heute noch hier in Köln und ist verheiratet, aber zu ihr hat
Frau D. keinen Kontakt gehabt, bis heute. Über eine italienische Schulfreundin
hat N. den Kontakt zwischen der Familie und Frau D. wieder hergestellt.
Jetzt kommt die dagebliebene Tochter Frau D. manchmal besuchen.
Nippes damals: Die Wohnungen waren noch stark vom Krieg beschädigt
und noch nicht renoviert. Es gab noch mehr Lücken in der Bebauung
und trotzdem war es nicht so schwer, eine Wohnung zu finden wie heute.
Die Häuser waren auch außen noch nicht so renoviert wie heute.
Zu der Zeit, in der das Foto gemacht wurde, hat Frau D. noch gearbeitet.
Die Geburtstagsfeier wurde von der Familie organisiert. Neben Frau D. wohnte
eine andere Frau, die ihr die Wohnungsschlüssel gegeben hatte, mit
der sie oft Kaffee trank. Eines Tages war die Frau tot.
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Aus einer Projektbesprechung
(Historische Fotos)
Danach besprachen wir kurz die anderen Photos der Ausstellung. Dort befindet
sich ein Photo während des Karnevals in der Nazizeit. Man kann zum
Beispiel erkennen, wie die Leute damals gefeiert haben. Ein anderes Photo
zeigt den Ausflug einer Kneipengesellschaft. Alle kennen sich, sie sind
Nachbarn. Man kann erkennen, daß diese Gesellschaft zum bessergestellten
Bürgertum gehört. Eine Feier von Handwerksburschen sähe
anders aus. Das Photo ist von 1908. Am Sonntag hat man sich zu dieser Zeit
immer feingemacht. Es war Kaiserzeit, da gab es keine Demokratie. Dann
findet man noch ein Photo einer 7. Schulklasse in Köln-Riehl aus dem
Jahre 1937. Mädchen und Jungen waren damals in getrennten Klassen.
Alle gingen nur bis zur 8. Klasse in die Schule. In der Schule mußte
man keine Uniform tragen aber in den Jugendorganisationen. Auf einem anderen
Bild ist Frau B. in ihrem Ausbildungsbetrieb zu sehen. Es muß kurz
vor der Reichskristallnacht 1938 aufgenommen worden sein. In dieser Nacht
wurden viele jüdische Geschäfte und Synagogen von den Nazis angezündet
und geplündert. Frau B. machte eine Ausbildung in einem jüdischen
Schuhgeschäft. In der Reichskristallnacht wurde auch dieses Geschäft
zerstört und sie mußte woanders eine Ausbildung machen. Später
fand sie eine Ausbildungsstelle bei der Post, dazu ist auch ein Bild vorhanden.
Sie erzählte, daß man nach der Reichskristallnacht von vielen
schlecht angesehen wurde, wenn man in einem jüdischen Geschäft
gearbeitet hatte. Natürlich ist es besser, wenn ihr euch die Ausstellung
im Laufe der Woche einmal in Ruhe selbst anschaut. Bis dahin kommen auch
noch einige Photos dazu.
Auszug aus der Lesung
"Alt / Jung"
(anläßlich einer öffentlichen Veranstaltung des Runden
Tisches zur Vorstellung der Altenhilfe in Köln-Nippes; auch gehalten
beim Symposion des BMFSFJ zum Thema Alt/Jung für Multiplikatoren im
Fernsehbereich in Düsseldorf)
| Denizli/Türkei
1987
Das Foto wurde am 23. April 1987 aufgenommen. Das ist in der Türkei
in unserem Dorf. Es war der Festtag des Kindes.
Im Hintergrund sind alle Dorfbewohner versammelt. Ich stehe zusammen
mit meiner Freundin auf dem Podium, weil wir ein Gedicht vortragen sollen.
Ich bin sehr aufgeregt. Das Podium stand auf dem Dorfplatz. Zu Beginn des
Festes haben wir getrommelt. Einige Tage vorher sind wir schon durch die
Straßen gezogen und haben beim Spazierengehen den Rythmus eingeübt.
Mein jüngerer Bruder und meine Oma sind auch unter den Zuschauern.
Meine Eltern sind nicht dabei, weil sie schon in Deutschland leben. Nach
der 5. Klasse bin ich dann leider auch nach Deutschland gezogen.
Emel |
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Schule in der Kaiserzeit
Ich wurde 1909 geboren. 1915 kam ich in die Volksschule. Danach war
ich auf einem Lyzeum für Mädchen. Meine Schwester war auch dort.
Das hatte mein Vater entschieden.
Mein Bruder war auf dem Realgymnasium. Gemischte Schulen gab es damals
nicht.
Das Zeugnis auf dem Lyceum fing mit Noten für Führung und
Aufmerksamkeit an. Strunzer, also Angeber, die nannten wir damals Pfiffi.
In meiner Volksschulzeit war das so: Wenn der Kaiser gewonnen hatte,
da haben wir uns gefreut. Dann kriegten wir immer schulfrei. Und wenn er
Geburtstag hatte, kriegten wir alle Fähnchen.
1919 hatten wir dann die Demokratie.
Ich glaube 1918 ist der Kaiser nach Holland geflüchtet. Der
lebte dort im Haus Dorn. Es haben sich dann Freundeskreise gebildet, die
ihn besucht haben. Das waren die Kaisertreuen.
Mein Vater war auch dabei.
Frau F. |
| Nippes 1989
Das Foto wurde bei einem Sommerfest auf dem Spielplatz am Erzberger
Platz aufgenommen. Ich habe dort auf dem Flohmarkt meine Spielsachen verkauft.
Damals war ich auf der Grundschule in der Steinberger Str.
Am Anfang haben die Lehrer meine Eltern oft in die Schule gerufen.
Sie wollten, daß ich in eine türkische Klasse gehe oder daß
ich die 1. Klasse wiederhole. Meine Eltern wollten das nicht.
Wir hatten einen Bekannten, der war in der türkischen Klasse.
Das mit der Sprache ist bei ihm auch nicht besser geworden.
Ab der 3. Klasse ging es besser. Da hatte ich eine deutsche Freundin. |
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"Alt/Jung"
Bilder aus der Ausstellung Alt und Jung
Schule
7.Klasse Volksschule Riehl 1937
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Arbeit
Lehre Schuhgeschäft Köln 1938 Lehre
Schuhgeschäft Köln 1938
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Krieg
Luftangriff 1944
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Freizeit
Ausflug zur "Zonengrenze" 1955
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Träger: Jugendhilfe und Schule e. V. - Jugendladen
Nippes - Kempener Str. 95 - 50733 Köln (-Nippes)
T.: 0221 - 727275; -7201514.-
Der Jugendladen Nippes führte im Rahmen seiner Arbeit
als Bundesmodell zur Jugendsozialarbeit und Mädchenarbeit regelmäßig
Ausstellungsprojekte in Verbindung mit Praxisprojekten durch. 1998 gehören
hierzu Projekte zur internationalen Zusammenarbeit (Eritrea, Türkei,
EU), ein Projekt zur Schulöffnung und Berufskunde, Maßnahmen
gegen Fremdenfeindlichkeit im Stadtteil und ein Projekt Alt / Jung. Die
Projekte bilden zugleich die Grundlage für die interkulturelle Arbeit
im Stadtteil und mit der erwachsenen Bevölkerung. Die Maßnahmen
im Jugendladen wurden bis 1997 gefördert vom Bundesministerium für
Frauen und Jugend und ab 1998 vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit
und Soziales / NRW, von der EU - Kommission und der Stadt Köln.
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Fachbeitrag "Alt/Jung als interkulturelles
Projekt"
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