Jugendladen Nippes & Nippes Museum Köln
Jugendhilfe und Schule e.V. -. Kempener Str. 95 - 50733 Köln
Ausstellung und Projekt
Alt und Jung in Köln-Nippes
 
Übersicht
    1. Dokumente aus der Praxis

    2.  

      Lebenslagen 1Wohnen

      Eine Projektbesprechung

      Wohnungsbild J.B.

      Alt und Jung in Eritrea

      Kochbuch Alt/Jung Nippes

      Der institutionelle Rahmen: Runder Tisch zur Altenhilfe in Köln-Nippes
       

      Lebenslagen 2: Historische Interviews

      Palermo 1941

      Die Siebachstraße vor 20 Jahren

      Projektbesprechung Ausstellung

      Lesung zur Ausstellung

      Bilder aus der Ausstellung

       
      Fachbeitrag zur Auswertung
       
       

Begegnung von Alt und Jung als interkulturelles Projekt (aus: Sozialpädagogik 4/1997)  
Informationen zum Träger
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I. Berichte und Besprechungen aus der Praxis
Auszug aus einer Besprechung "Alt/Jung" im Jugendladen Nippes / Nippes Museum

 

 

Alle Anwesenden schildern reihum ihre Beobachtungen zur Wohnsituation der alten Leute. Hierbei werden folgende allgemeine Beobachtungen geschildert:

Ausgehend von diesen allgemeinen Beobachtungen wurden die folgenden Fragen besprochen:

1. Wie geht man am besten mit Vorurteilen um, die man über die alten Leute hört?
 

2. Wie geht man mit den eigenen Vorurteilen oder den eigenen Problemen um?
  Vor diesem Hintergrund wurden folgende Beschreibungen von einzelnen Wohnungen gegeben:
  1. Wohnung N. Str. - Die Frau ist arm, hat nur eine kleine Rente. Die Wohnung ist alt und klein. Man sieht aus dem Fenster nur auf Mauern. Die Möbel sind sehr alt. Das Klo ist auf dem Gang. Die Elektroleitungen sind kaputt und liegen zum Teil offen. Trotzdem ist die Frau zufrieden mit dem Haus. Sie nutzt ein Sitzklo statt der Toilette im Hausflur. Sie hat kein Badezimmer. Von der Wohnung gibt es ein erstes Bild: Die Frau sitzt in der Mitte der Küche am Tisch. Das Obst im Regal ist verfault. Die Tassen stehen ungespült rum. Die Frau sieht fern. Das Fernsehgerät ist alt und nicht gut. Ein neues zu besorgen ist scheinbar nicht sinnvoll, da sie nicht gut sieht. Sie hört v.a. mit einem großen Kopfhörer aus Holz zu (vgl. Bild). Frage: Wie könnte die Wohnung verschönert werden? Die Tapeten sind dunkel und eintönig. Die Reparatur der Elektroleitungen ist schon geplant. Unklar ist, ob die Frau ins Heim gehen will. Vielleicht könnte sie einen neuen Kopfhörer gebrauchen. Sie trinkt gerne Kaffee.
  2. B. Str. - Die Wohnung hat 5 Zimmer. Neubau. Die Frau ist körperbehindert. Sie beklagt sich, daß die Wohnung zu groß ist. Ein Bad ist vorhanden. Warmwasser und Balkon auch.
  3. Bü. Str. - Eine sehr große Wohnung. Die Frau ist sehr stolz auf die Wohnung. Sie lebt schon viele Jahre in derselben Wohnung. Sie erzählt immer von ihrer Tochter.
  4. G. Str. - Die Wohnung hat kein warmes Wasser. Die Frau stellt die Spülsachen immer in den Schrank. Die Wohnung ist ganz alt. Die Frau ist sehr stolz darauf, wenn sie noch etwas selbst machen kann. Darauf achtet sie sorgfältig: "Nein, das mache ich selbst. Sonst hab ich nichts vom Leben". Sie ist 84 Jahre alt und lebt schon seit 65 Jahren in derselben Wohnung. Im Bad steht eine Wanne mit einem Badeofen, den man anfeuern muß. Die Frau ist zwar gut angezogen, läuft aber immer mit Schürzen herum.
  5. Alt und Jung in Eritrea - Eritreaausstellung im Nippes Museum
     
  6. L. Str. - Beide Ehepartner sind behindert und gehen jetzt ins Heim. Sehr hohe Rente. "Könnten sie sich nicht Privatangestellte leisten?" Der Mann ist 20 Jahre älter. Die Frau geht überheblich mit ihm um. Sie verspottet ihn. Gegenüber den Betreuern geht die Frau etwas hochnäsig um. Sie gibt immer schnell neue Aufgaben. Frage: Wie ist zu erklären, daß die Frau überheblich mit dem Mann umgeht? Ist nicht zu klären, also vorerst auch nicht zu bewerten.
  7. Kochbuch Alt/Jung
  8. M. Str. - Im ganzen Haus wohnen nur alte Leute (Wohnheim Kirche). Die Wohnung ist sehr schön mit Balkon, Einbauküche, Badezimmer und Toilette. Die Frau hat einen Vertrag mit der Kirche. Darin ist festgehalten, daß irgendwas der Kirche gehört, wenn sie stirbt, für gute Zwecke. Außerdem ist ihr versprochen worden, daß alles so stehen und liegenbleibt, wie sie es hinterlassen hat (wie lange)? Vor allem hat die Frau in den Vertrag aufgenommen oder wünscht sich, daß ihre Katze nach ihrem Tod nicht auch getötet wird. Die mag sie sehr. Sie sitzt immer auf ihrem Schoß (vgl. Bild). Die Katze ist tigerartig. Sie kann sehr viel. Ist richtig dressiert. Z.B. kann die Katze im gekräuselten Teppich Slalom laufen. Der Teppich ist dann aufgestellt, so daß er mehrere Röhren bildet und die Katze schlängelt sich links/rechts durch. Im Mittelpunkt der Wohnung steht für die Frau das Telefon. Mit dem telefoniert sie immer mit ihrer Tochter, die Friseuse ist. Frage: Interessiert sich die Frau für die Teilnahme an einer Telefonkette? Bitte besprechen. Hat sie Interesse daran, daß ihre Fotos einmal schön in einem Fotoalbum eingeklebt werden? Bitte auch das besprechen.
  9. K. Str. - Eine Zweizimmerwohnung, Altbau, gemeinnützige Wohnungsgesellschaft (Bild folgt?).
  10. Z. Str. - Eine sehr gute Wohnung. Es geht das Gerücht u,m, daß die Frau von ihrem Sohn falsche Medikamente bekommt. Vielleicht soviel wahr, daß es einen Konflikt gibt. Spekulationen aber nicht angebracht.
  11. Kn. Str. - Die Frau kann sich wenig bewegen. Die Wohnung ist sehr ordentlich, schlicht, einfach eingerichtet. Es gibt viele Bücher und Musikkassetten. Die Frau hört gern Orgel- und Meditationsmusik. Sie war einmal Gewerkschaftsfunktionärin bei der DAG und als Beruf übte sie einen Büroberuf aus.
Fortsetzung beim nächsten Treffen. 

Verabredet wurde:

Alle, die das noch nicht gemacht haben, malen ein großes Bild einer Wohnung; kann auch surrealistisch sein; soll für eine Ausstellung im Jugendladen brauchbar sein. Papier ist im Jugendladen zu bekommen. Bei den nächsten Hausbesuchen wird nach dem Interesse an einer Telefonkette gefragt. Sonstige Vorschläge zur Verbesserung der Wohnsituation werden überlegt.

 

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Der Institutionelle Rahmen

Alt und Jung am "Runden Tisch" - Ein Protokoll

Empfehlungen des Runden Tisches zur Altenarbeit Köln - Nippes

1.Empfohlen werden neue, ehrenamtliche Besuchsdienste für alleinstehende alte Menschen. Gedacht ist hier an Pfarrgemeinden u.a. Gruppen. Träger der freien Wohlfahrtspflege sollen Personal zur Koordination zur Verfügung stellen. Die Stadt Köln soll die Sach- und Personalkosten bezuschussen. Hierbei ist eine Vernetzung von in der Seniorenarbeit Tätigen anzustreben, z. B. am Runden Tisch.

2. Pflegende Angehörige sollten entlastet werden. Dazu sollen Kurzzeitpflegesätze geschaffen bzw. erhöht werden. Die Service-Zentren sollen Kurzzeitpflege anbieten. Die Stadt Köln soll die vom Kurzzeitpflegesatz (2800,- DM für 4 Wochen) nicht gedeckten Kosten übernehmen.

3. Aufgrund der unzureichenden Sätze für Mobile Soziale Dienste in der Pflegeversicherung werden flankierende Finanzierungen von Stadt, Land und Bund für diese Dienste benötigt. Zur Verbesserung der Beratung sollen drei bis vier Servicezentren im Stadtbezirk errichtet werden. Zusätzlich zu den Mobilen Sozialen Diensten sollen besonders zeitintensive Einsätze (z.B. vier Stunden täglich) eingeführt und aus der Sozialhilfe finanziert werden.

Lebenslagen 2

Historische Interviews mit SeniorInnen
(Auszug aus der Dokumentation)

 

1. Mädchenerziehung 1941 in Palermo  

Das Bild zeigt Frau D. im Alter von 16 Jahren. Da sie derzeit 69 Jahre alt ist, bedeutet dies, daß das Bild voraussichtlich im Jahr 1941 gemacht wurde. Frau D. erzählt über das Bild folgendes: Das Bild wurde gemacht kurz bevor ihr Vater in den Krieg ging. Zu dieser Zeit war sie noch nicht verlobt. Sie wurde erst mit 20 verlobt. Das Kleid, das Frau D. auf dem Foto trägt, heißt Modell Parici. Sie hatte es von ihrer Schwester ausgeliehen. Die Schwester hatte das Kleid selbst genäht. Frau D. kann sich daran erinnern, daß zu dieser Zeit noch Mussolini an der Macht war. Nochmal auf die Mädchenschule angesprochen sagt sie: "Das war eine tolle Schule. Ohne Jungen war es viel schöner." Scheinbar gab es im selben Gebäude auch eine Jungenschule. Unklar ist, ob Mächen und Jungen sich auf dem Hof sehen konnten. 

2. Als Arbeiterin in der Küche
3. Geburtstagsfeier in der Siebachstraße (ca. 1974)
 

Frau D. erzählt zunächst, daß es in Nippes früher anders aussah als heute. Sie erinnert sich noch an die Straßenbahn, die woanders fuhr als heute, z.B. auf der Kempener Str. Das Mädchen, das man auf dem Bild im Vordergrund sieht, ist heute 25 Jahre alt. Die Familie, die man sieht, ist heute in Italien. Eine Tochter aus dieser Familie lebt heute noch hier in Köln und ist verheiratet, aber zu ihr hat Frau D. keinen Kontakt gehabt, bis heute. Über eine italienische Schulfreundin hat N. den Kontakt zwischen der Familie und Frau D. wieder hergestellt. Jetzt kommt die dagebliebene Tochter Frau D. manchmal besuchen.

Nippes damals: Die Wohnungen waren noch stark vom Krieg beschädigt und noch nicht renoviert. Es gab noch mehr Lücken in der Bebauung und trotzdem war es nicht so schwer, eine Wohnung zu finden wie heute. Die Häuser waren auch außen noch nicht so renoviert wie heute. Zu der Zeit, in der das Foto gemacht wurde, hat Frau D. noch gearbeitet. Die Geburtstagsfeier wurde von der Familie organisiert. Neben Frau D. wohnte eine andere Frau, die ihr die Wohnungsschlüssel gegeben hatte, mit der sie oft Kaffee trank. Eines Tages war die Frau tot.

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Aus einer Projektbesprechung (Historische Fotos)

Danach besprachen wir kurz die anderen Photos der Ausstellung. Dort befindet sich ein Photo während des Karnevals in der Nazizeit. Man kann zum Beispiel erkennen, wie die Leute damals gefeiert haben. Ein anderes Photo zeigt den Ausflug einer Kneipengesellschaft. Alle kennen sich, sie sind Nachbarn. Man kann erkennen, daß diese Gesellschaft zum bessergestellten Bürgertum gehört. Eine Feier von Handwerksburschen sähe anders aus. Das Photo ist von 1908. Am Sonntag hat man sich zu dieser Zeit immer feingemacht. Es war Kaiserzeit, da gab es keine Demokratie. Dann findet man noch ein Photo einer 7. Schulklasse in Köln-Riehl aus dem Jahre 1937. Mädchen und Jungen waren damals in getrennten Klassen. Alle gingen nur bis zur 8. Klasse in die Schule. In der Schule mußte man keine Uniform tragen aber in den Jugendorganisationen. Auf einem anderen Bild ist Frau B. in ihrem Ausbildungsbetrieb zu sehen. Es muß kurz vor der Reichskristallnacht 1938 aufgenommen worden sein. In dieser Nacht wurden viele jüdische Geschäfte und Synagogen von den Nazis angezündet und geplündert. Frau B. machte eine Ausbildung in einem jüdischen Schuhgeschäft. In der Reichskristallnacht wurde auch dieses Geschäft zerstört und sie mußte woanders eine Ausbildung machen. Später fand sie eine Ausbildungsstelle bei der Post, dazu ist auch ein Bild vorhanden. Sie erzählte, daß man nach der Reichskristallnacht von vielen schlecht angesehen wurde, wenn man in einem jüdischen Geschäft gearbeitet hatte. Natürlich ist es besser, wenn ihr euch die Ausstellung im Laufe der Woche einmal in Ruhe selbst anschaut. Bis dahin kommen auch noch einige Photos dazu.

 
Auszug aus der Lesung "Alt / Jung"

(anläßlich einer öffentlichen Veranstaltung des Runden Tisches zur Vorstellung der Altenhilfe in Köln-Nippes; auch gehalten beim Symposion des BMFSFJ zum Thema Alt/Jung für Multiplikatoren im Fernsehbereich in Düsseldorf)

 
Denizli/Türkei 1987 

Das Foto wurde am 23. April 1987 aufgenommen. Das ist in der Türkei in unserem Dorf. Es war der Festtag des Kindes.  

Im Hintergrund sind alle Dorfbewohner versammelt. Ich stehe zusammen mit meiner Freundin auf dem Podium, weil wir ein Gedicht vortragen sollen. Ich bin sehr aufgeregt. Das Podium stand auf dem Dorfplatz. Zu Beginn des Festes haben wir getrommelt. Einige Tage vorher sind wir schon durch die Straßen gezogen und haben beim Spazierengehen den Rythmus eingeübt. Mein jüngerer Bruder und meine Oma sind auch unter den Zuschauern. Meine Eltern sind nicht dabei, weil sie schon in Deutschland leben. Nach der 5. Klasse bin ich dann leider auch nach Deutschland gezogen.  

Emel

 
Schule in der Kaiserzeit 

Ich wurde 1909 geboren. 1915 kam ich in die Volksschule. Danach war ich auf einem Lyzeum für Mädchen. Meine Schwester war auch dort. Das hatte mein Vater entschieden.  

Mein Bruder war auf dem Realgymnasium. Gemischte Schulen gab es damals nicht.  

Das Zeugnis auf dem Lyceum fing mit Noten für Führung und Aufmerksamkeit an. Strunzer, also Angeber, die nannten wir damals Pfiffi.  

In meiner Volksschulzeit war das so: Wenn der Kaiser gewonnen hatte, da haben wir uns gefreut. Dann kriegten wir immer schulfrei. Und wenn er Geburtstag hatte, kriegten wir alle Fähnchen.  

1919 hatten wir dann die Demokratie.  

Ich glaube 1918 ist der Kaiser nach Holland geflüchtet. Der lebte dort im Haus Dorn. Es haben sich dann Freundeskreise gebildet, die ihn besucht haben. Das waren die Kaisertreuen.  

Mein Vater war auch dabei.  

Frau F.

Nippes 1989  

Das Foto wurde bei einem Sommerfest auf dem Spielplatz am Erzberger Platz aufgenommen. Ich habe dort auf dem Flohmarkt meine Spielsachen verkauft.  

Damals war ich auf der Grundschule in der Steinberger Str.  

Am Anfang haben die Lehrer meine Eltern oft in die Schule gerufen. Sie wollten, daß ich in eine türkische Klasse gehe oder daß ich die 1. Klasse wiederhole. Meine Eltern wollten das nicht.  

Wir hatten einen Bekannten, der war in der türkischen Klasse. Das mit der Sprache ist bei ihm auch nicht besser geworden.  

Ab der 3. Klasse ging es besser. Da hatte ich eine deutsche Freundin.

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Bilder aus der Ausstellung Alt und Jung
 
Schule
7.Klasse Volksschule Riehl 1937
Arbeit
Lehre Schuhgeschäft Köln 1938 Lehre Schuhgeschäft Köln 1938
Krieg
Luftangriff 1944
Freizeit
Ausflug zur "Zonengrenze" 1955

Träger: Jugendhilfe und Schule e. V. - Jugendladen Nippes - Kempener Str. 95 - 50733 Köln (-Nippes)

T.: 0221 - 727275; -7201514.-

Der Jugendladen Nippes führte im Rahmen seiner Arbeit als Bundesmodell zur Jugendsozialarbeit und Mädchenarbeit regelmäßig Ausstellungsprojekte in Verbindung mit Praxisprojekten durch. 1998 gehören hierzu Projekte zur internationalen Zusammenarbeit (Eritrea, Türkei, EU), ein Projekt zur Schulöffnung und Berufskunde, Maßnahmen gegen Fremdenfeindlichkeit im Stadtteil und ein Projekt Alt / Jung. Die Projekte bilden zugleich die Grundlage für die interkulturelle Arbeit im Stadtteil und mit der erwachsenen Bevölkerung. Die Maßnahmen im Jugendladen wurden bis 1997 gefördert vom Bundesministerium für Frauen und Jugend und ab 1998 vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales / NRW, von der EU - Kommission und der Stadt Köln.
 

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Fachbeitrag "Alt/Jung als interkulturelles Projekt"
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